Inhalt
Der/ Die Cyborg 1
Definition 1
Modell des Cyborg 2
Cyborgs in herkömmlichen Filmen 4
Cyborgs im Film „Ghost in the Shell” 5
Quellenangaben 10
Der Begriff Cyborg ist eine Abkürzung für kybernetischer Organismus. Das heißt es handelt sich um ein natürliches organisches Lebewesen mit künstlich technischen Elementen. So kann zum Beispiel schon ein Mensch mit einem Herzschrittmacher als Cyborg angesehen werden. Es handelt sich beim Cyborg also nicht nur um eine Schöpfung der Science Fiction, sondern vielmehr um ein bereits allgegenwärtiges Phänomen. Donna Haraway fasst dies treffend zusammen: „A Cyborg is a cybernetic organism, a hybrid of machine and organism, a creature of social reality as well as a creature of fiction.“ (“A Cyborg Manifesto”, S. 149). Ich möchte hier auf das Model eines Cyborgs eingehen, welches einen menschlichen Geist mit einer direkten Schnittstelle zur Technik aufweist und einen zum größten Teil mechanisch technischen Körper besitzt. Streng genommen gehören also etwa die Replikanten aus „Blade Runner“ und der „Terminator“ nicht zur Familie der Cyborgs, da diese entweder komplett organisch (wenn auch künstlich geschaffen) oder komplett mechanisch (ohne eigenen Geist) sind. Dennoch greife ich auch auf diese künstlichen Menschen bzw. menschlichen Maschinen zurück, da sie doch große Parallelen mit einem Cyborg aufweisen und ein nicht zu vernachlässigendes Beispiel für einen Mensch-Maschine Hybriden darstellen.
Durch die Sonderstellung zwischen Natur und Technik, zwischen Mensch und Maschine ergeben sich ungeahnte Möglichkeiten für einen Cyborg. Nach Haraway basiert ein Menschen zentriertes Universum auf einem System von Dualismen („Electronic Eros“, S.33f). So bestehen für den Menschen feste Unterschiede und Grenzen zwischen Natur und Kultur, zwischen echt und künstlich, Mann und Frau, Mensch und Maschine, um nur einige zu nennen. Wenn nun diese eine Grenze, nämlich die zwischen menschlichem und künstlichem zusammenbricht, so lösen sich nach Haraway und Springer („Electronic Eros“, S.34) auch alle weiteren Dualismen auf. Die beiden jeweilig entgegengesetzen Teile werden ununterscheidbar und verschmelzen förmlich, geradeso wie der Mensch mit der Technik verschmilzt, wenn er zum Cyborg wird. Somit besteht für einen Cyborg also die Möglichkeit sich über die Grenzen der menschlichen Welt hinwegzusetzen, da in ihm eben diese Grenze zwischen künstlichem und natürlichem unwiderruflich aufgehoben wird.
Die wohl entscheidenste Grenzüberschreitung liegt nun in der Möglichkeit der Überwindung von determiniertem Geist und Körper. Der Cyborg ist in der Lage Körper und Geist beliebig zu wechseln: „Mind and bodies change like chameleons in cyberpunk…“ („Electronic Eros”, S.35). So kann das Bewusstsein in vielen Cyborggeschichten durch die Verwendung von neuer Hard- und Software erweitert und verändert werden. Ebenso ist es möglich den teilweise oder komplett künstlichen Körper nach belieben zu verändern oder gar zu wechseln. Es entsteht eine flüssige Identität (“...fluid cyborg identities...“, „Electronic Eros“, S.140), wodurch der Cyborg nicht mehr in die dem Menschen typischen Rollenbilder gepresst werden kann. Somit fallen geschlechtsspezifische Unterschiede ebenso weg, wie urmenschliche Träume und Traumata: „The cyborg is a creature in a post-gender world; it has no truck with bisexuality, pre-oedpal symbiosis, unalienated labour, ....“ („Simians, Cyborgs, and Women“, S.150), “the cyborg would not recognize the Garden of Eden; it is not made of mud and cannot dream of returning to dust.” („Simians, Cyborgs, and Women“, S.151). Nach Haraway ist der Cyborg also in der Lage Geschlechtsunterschiede überflüssig zu machen und Frauen von der patriachalen Ungleichheit zu befreien, indem er durch die Überwindung der Grenze zwischen Mensch und Maschine auch andere traditionell hierarchische Grenzen, wie eben die zwischen den Geschlechtern, auflöst („Electronic Eros”, S.105). Er ist befreit von körperlichen und gesellschaftlichen Zwängen und kann so die Restriktionen der menschlichen Welt weit hinter sich lassen. Wenn man so will kann man den Cyborg also durchaus als eine höhere Evolutionsebene begreifen.
Daraus ergeben sich freilich auch gewisse negative Seiten für einen Cyborg: „ ... uncertainty is [...] the essence of the cyborg. („Electronic Eros”, S.68). Die Fragen „Was bin ich? Wo stamme ich her?“ resultieren aus dieser Überschreitung aller Grenzen, denn „... the cyborg is the ultimate transgressed boundary.“ („Electronic Eros”, S.34) Wenn die Identität und der Körper frei wechselbar sind, so kann eine Beliebigkeit entstehen, die die wahre Person auszulöschen droht. Ebenso besitzt ein Cyborg zumeist keine leiblichen Eltern, er wurde (zumindest zum Teil) aus einer Maschine erschaffen und kann sich so kaum auf echte Bezugspunkte im Leben stützen. Da sich ein Cyborg aber durch einen menschlichen Geist von einer rein funktionellen Maschine unterscheidet, ergibt sich hieraus ein schweres Dilemma. In verschiedenen Filmen (etwa „Blade Runner“, „Ghost in the Shell“) wird diesem Problem durch eine künstliche Erinnerung, die in das Gehirn eingepflanzt wird zu entgegnen versucht. Allerdings scheitert dieser Versuch fast immer, da die Realität den „Betrug“ einholt. Andererseits kann natürlich die Objektivität von menschlichen Erinnerungen ebenso in Frage gestellt werden. Konstruiert der Mensch sich nicht immer die Vergangenheit und damit seine Person durch bewusstes oder unbewusstes Erinnern und Vergessen? Der unterschied zwischen Mensch und Cyborg liegt hierbei darin, dass der Cyborg, insofern er sich seiner als Cyborg bewusst ist, seine Existenz mehr hinterfragt, da er eben in einer ständigen Unsicherheit lebt.
In den meisten Filmen und Geschichten nun werden die Möglichkeiten, die sich für einen Cyborg durch seine oben beschriebene Sonderstellung zwischen Mensch und Maschine ergeben, nicht aufgegriffen. Trotz der Relativität des Körpers und der durch den Körpertausch entstehenden Überflüssigkeit von Geschlechtsunterschieden befinden Männer und Frauen sich meist noch immer in konventionell patriarchalischer Beziehung, in der Männer in einer Autoritätsposition über den Frauen stehen („Electronic Eros”, S.66). „Cyborg imagery so far has not widely realized the ungendered ideal Donna Haraway theorizes” („Electronic Eros”, S.66). Dieses Phänomen tritt freilich zumeist bei den Geschichten einiger männlicher Autoren auf, da Science Fiction ja als eine Projektion von Wünschen und Träumen, aber auch Begebenheiten von der Gegenwart auf die Zukunft angesehen werden kann. So stellt Springer fest: „Feminist science fiction experiments with unstable categories, unlike the rigidity associated with conventional science-fiction futures that retain or even strengthen the gender stereotypes of the present” („Electronic Eros”, S.67) Auch spiegelt sich hierin ein Klischee, nämlich, dass Technik als eine maskuline Domäne gilt. Somit stellen Cyborgs wie “Robocop” oder „Terminator“ mit ihrem gewaltsamen, pragmatischen Verhalten eine Verfestigung sexueller Unterschiede dar: „phallic strenght is opposed feminine fluidity“ („Electronic Eros”, S.102 f.). Dieses aggressive Bild eines Cyborgs versucht die Dominanz einer phallischen Metapher für Technologie zu behaupten („Electronic Eros”, S.104). Sie stehen mit ihrer körperlichen Stärke und ihrem starken Willen im Gegensatz zu der zeitgenössischen (Mikro-)Technologie, die Springer als feminin einstuft: „the >feminized< computer with its concealed, passive, and internal workings („Electronic Eros”, S.104). Die Tendenz Cyborgs zu gewalttätigen Mödermaschinen zu machen, die keine der oben genannten Möglichkeiten auch nur in Betracht ziehen, kann also als ein verzweifelter Versuch gesehen werden Technik wieder zu einer maskulinen Domäne zu machen.
Aber auch weibliche Cyborgs werden sich in den meisten Geschichten ihrer Möglichkeiten nicht bewusst. Vielmehr erscheinen sie als getriebene, gefährlich mächtige Killer, deren Geist sich eher verhärtet und verfestigt als die Change zu einer flüssige Identität zuzulassen („Electronic Eros”, S.140). Zumeist wenden sie sich gegen ihre in der Regel männlichen Schöpfer und scheinen als gewalttätige Massenmörder eine Gefahr für die gesamte Menschheit darzustellen (so z.B. in „Blade Runner“ oder „Eve of Destruction“). Dadurch entsteht das Bild der gefährlichen Frau, die eine Gefahr für die herrschende Männerwelt darstellt und bekämpft werden muss.
Ebenso spielt bei den meisten Filmen die menschliche Sexualität noch eine große Rolle, obwohl ein Cyborg dieser nicht mehr bedürfte. „Even when cybernetic characters relinquisch their physical forms to enter the computer matrix, they are still preoccupied with human concerns. Sex continues to flourish the fictional electronic worlds.” („Electronic Eros”, S.140) Auch hier kann man eine Vermenschlichung des Cyborgs erkennen, der eigentlich die menschliche Welt hinter sich lassen könnte.
Die Möglichkeiten, die sich durch das Harawaysche Model des Cyborgs auftun werden also kaum in Erwägung gezogen oder gar ausgeführt. Vielmehr wird dem Cborg ein eher primitiv repressives Verhalten zugeordnet. Die große Change des Cyborg, nämlich die Überwindung von menschlichen Einschränkungen und Grenzen wird höchstens im Ansatz angegangen und er wird im Gegensatz dazu meist missbraucht um das Bestehen veralteter Wertesysteme in einer möglichen Zukunft darzustellen.
In dem Animationsfilm “Ghost in the Shell” von dem japanischen Regisseur Mamoru Oshii von 1995 (basierend auf dem gleichnamigen Manga von Masamune Shirow) nun ergibt sich ein Bild vom Cyborg, welches über das herkömmliche, eben beschriebene hinausgeht und die Möglichkeiten, die von Haraway in ihrem Cyborg Modell skizziert werden in vielen Punkten wahrnimmt und aufgreift. Dies soll im folgenden an einzelnen Szenen des Film dargelegt werden.
Doch zunächst eine kurze Inhaltszusammenfassung. Der Film spielt in einer hochtechnisierten Zukunft (im Jahre 2029), in welcher Cyborgs eine wirklich alltägliche Erscheinung sind. Die Protagonistin wird von Major Motoko Kusanagi, einem weiblichen Cyborg verkörpert. Sie ist Angestellte in einer Geheimdienst Organisation namens Section9. Zusammen mit ihrem Kollegen Bateau, der ebenfalls ein Cyborg ist, bekommt sie im Laufe des Films die Aufgabe den Hacker Puppet Master dingfest zu machen. Dieser Kriminelle dringt in die Gehirne verschiedener Personen ein (z.B. dem des Außenministers), übt Kontrolle über sie aus und stellt so eine immanente Gefahr da. Gegen Ende des Films stellt sich heraus, dass es sich beim Puppet Master um eine Künstliche Intelligenz handelt, welche das eigentliche Ziel verfolgt mit Major Kusanagi eine geistige Verschmelzung einzugehen.
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erste Szenen auf die ich eingehen will, stellt das Intro des Films
dar. Hier wird in einer ca. 3 Minuten langen Sequenz die Erschaffung
von Kusanagi gezeigt. Man sieht ein menschliches Gehirn, um welches
ein künstlicher Körper, teils mit organischen (Muskeln)
teils technischen (Metall) Teilen konstruiert wird. Das ganze findet
in einer Art riesigem Labor statt, welches er in mehreren Stufen
durchläuft und dabei immer weiter zusammengesetzt wird, bis wir
erkennen, dass es sich um einen erwachsenen weiblichen Körper
handelt. Der gesamte Vorgang wirkt einerseits sehr technisiert und
steril, andererseits auch organisch. Die meiste Zeit schwebt Kusanagi
durch eine Flüssigkeit, die sie erst am Ende ihrer
Entstehungsphase verlässt, gleichzeitig, aber ist sie stets von
metallenen Wänden umgeben. Diese Kombination wird auch formell
wiedergegeben, indem die handgezeichneten Bildern mit
computergenerierte Animationen verknüpft werden. Wir werden also
Zeuge der „Geburt“ eines Cyborgs in einer riesigen
metallenen Gebährmutter. Kusanagi kommt als erwachsenes Wesen
ohne Eltern oder Kindheit, als Mensch-Maschine Hybride auf die Welt.
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zweites möchte ich auf die Szene eingehen, in welcher Kusanagi
im Ozean taucht und anschließend einen Dialog mit ihrem
Kollegen führt. Man sieht sie zunächst fast bewegungslos im
dunklen Wasser schweben, was eindeutige Parallelen zu der
Entstehungsszenen aufweist. Als sie schließlich langsam an die
Wasseroberfläche gleitet, starrt sie wie apathisch in den
rot-orangen Himmel, bis sie das Boot auf dem sich ihr Mitarbeiter
befindet sieht. Dieser kann nicht so ganz verstehen warum sie
Tauchgänge im Ozean unternimmt. Kusanagi antwortet, sie fühle
Kälte und Angst im dunklen Wasser, aber auch Hoffnung und sie
fügt hinzu: “When I float weightless
back to the surface I imagine I’m becoming someone else.“
Und nach einer kurzen Pause, bringt sie die pragmatische
Einschränkung: „It’s probably the decompression.“
Sie erahnt also schon die Möglichkeiten der flüssigen
Identität und zwar während des Schwimmens. Diese Annahme
wird durch einen sich anschließenden ontologischen Monolog
verstärkt, in der sie ihr Bewusstsein und ihre Persönlichkeit,
losgelöst von „... augmented brains and cyborg bodies ...“
beschreibt. Schließlich stellt sie fest: „I
feel confined only free to expand myself within boundaries.”
Sie erkennt also die Einschränkungen denen sie
unterworfen ist und hegt das Verlangen die Grenzen zu überschreiten,
sie beginnt die Möglichkeiten, die ihr als Cyborg offen stehen
zu erkennen. Es zeichnet sich ab, dass Kusanagi sich zu dem Modell
von Cyborg entwickelt des Haraway beschrieben hat. Ihr Kollege
dagegen sieht diese Erkenntnis als reine Spielerei an und weigert
sich diese ernst zu nehmen. Er kann so für den pragmatischen
typisch maskulinen (im oben beschriebenen, negativen Sinn) Cyborg
angesehen werden.
Dies wird in einer späteren Szene noch bestärkt, als Kusanagi ihre Unsicherheit über ihre wahre Persönlichkeit zum Ausdruck bringt und dies von Ihrem Kollegen mit den Worten „That’s Bullshit...“ abgetan wird. Das oben Beschriebene Dilemma eines Cyborgs wird verdeutlicht, wenn Kusanagi sagt: „Well, I guess Cyborgs like myself have a tendency to be paranoid about our origins. Sometimes I suspect I’m not who I think I am.” Durch die Künstlichkeit des Cyborgs entsteht eben einerseits die Möglichkeit der Grenzüberschreitungen, andrerseits aber auch eine Beliebigkeit der Identität. Und nach Springer ist die Unsicherheit ja die Essenz des Cyborg. Kusanagi wird sich wie schon erwähnt der Möglichkeiten bewusst, nun aber kommt für sie auch die negative Seite ihres Daseins zu Tage, nämlich die Ungewissheit des eigenen Ichs: „Maybe there never was a real me in the first place.“
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die Möglichkeit der freien Wahl des Geschlechts wird im Film
thematisiert. Ein halb zerstörter weiblicher Cyborgkörper
wird untersucht und es stellt sich heraus, dass es sich dabei um den
Puppet Master handelt. Als sich der Leiter von Section9, daraufhin
wundert warum ein Doktor den weiblichen Körper als „him“
bezeichnet, also maskulin einordnet, wird er aufgeklärt: „
He’s [der Doktor] simply speaking in generic terms. The
sex [...] isn’t known and remains undetermined.“ Dies
verdeutlicht die Möglichkeit des beliebigen Körpertausches
und die daraus resultierende Relativität des Geschlechts, ebenso
wie die weggefallene Klassifizierung danach. In der Welt der Cyborgs
ist eine Einteilung nach dem Geschlecht also unmöglich geworden.
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Möglichkeit des Körpertausches wird in einer der letzten
Szenen noch deutlicher. Kusanagi taucht in den Körper des Puppet
Masters und verlässt dabei ihren eigenen. Der Puppet Master
wechselt seinerseits in den Körper Kusanagis. Die beiden führen
nun einen Dialog, jeweils im Körper des anderen. Dabei eröffnet
die künstliche Intelligenz Kusanagi das Angebot zur
Verschmelzung ihrer Geister. Dies entspreche einer Reproduktion,
einer Fortpflanzung. Allerdings zieht dies auch das Opfer der
Selbstaufgabe nach sich. Beide würden ihre Identität
verlieren, dadurch aber auch zur einer einzigen neuen Identität
verschmelzen. Die Erschaffung neues Lebens setzt also den Tod voraus.
Kusanagi zweifelt an dem Sinn dieser Selbstaufgabe. Doch
der Puppet Master argumentiert: „All things change in a dynamic
environment. [...] W
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have been subordinate to our limitations, until now. […] It’s
time to become a part of all things.” Es wird ihr also
die schon erahnte Überwindung ihrer Limitationen und Grenzen
angeboten, was allerdings den Preis des Tod ihres bisherigen
Individuums fordert. Schließlich lässt sie sich auf die
Verschmelzung ein und erfährt ein Art von Erleuchtung,
allerdings werden die beiden Cyborgkörper kurz darauf von einer
konkurrierenden Geheimorganisation zerstört. Der Körper und
dadurch die Sexualität spielt bei der Fortpflanzung eines
Cyborgs also keine Rolle mehr. Es h
andelt
sich um eine rein geistige Vereinigung. Dennoch benötigt der
Geist letztendlich doch einen Körper um in der materielle Welt
zu Existieren. Und so besitzt das neue Wesen, welches aus Kusanagi
und dem Puppet Master entstanden ist am Ende des Films einen neuen
Körper, da ihre alten zerstört wurden. Symbolischerweise
handelt es sich dabei um den Körper eines kleinen Mädchens.
Es wird in dem Film „Ghost in the Shell“ also ein Bild vom Cyborg dargestellt, welches nicht wenige Parallelen zu dem Cyborgmodell von Haraway besitzt. Viele der Möglichkeiten, die sich einem Cyborg danach durch seine Sonderstellung zwischen Mensch und Maschine bieten, werden entweder aufgegriffen, oder zumindest thematisiert. Ebenso treffen viele Kritikpunkte, die Springer an den herkömmlichen Cyborgfilmen anführt, hier nicht zu, obwohl er zugegebener maßen auch zu großen Teilen aus martialischen Aktionsszenen besteht. Nichtsdestotrotz verbildlicht der Film eine mögliche Zukunft, in der dem Menschen durch die Verschmelzung mit der Technik neue Welten offen stehen. Das theoretische und logische Modell von Haraway kann durch den Film nahegebracht werden und dabei werden ebenso die positiven wie die negativen Seiten dieser Idee veranschaulicht. Dabei arbeitet der Film auch formell mit einer Kombination von organischen, nämlich hangezeichneten und computergenerierten, digitalen Bildern, wodurch er auch selbst eine Kombination von menschlichem und maschinellem darstellt.
Simians, Cyborgs, and Women : The Reinvention of Nature, Donna Haraway, 1991
“A Cyborg Manifesto: Science, Technology, and Socialist Feminism in the Late Twentieth Cebtury.” S. 149-181 in Simians, Cyborgs, and Women.
“Electronic Eros: Bodies and Desire in the Postindustrial Age”, Claudia Springer, 1996
“Ghost in the Shell” , Mamoru Oshii, 1995